Andalusien

Im August 2020 machten wir uns auf den Weg nach Andalusien. Vorher verfolgten wir genau die Einstufung der Risikogebiete, die immer näher an den Süden Spaniens heranrückten. Als aber schliesslich ganz Spanien als riskant eingestuft wurde, flogen wir, weil sich die Zahl der Neuinfektionen in Andalusien recht zuverlässig zwischen den Zahlen aus München und Rosenheim bewegten und wir ja auch nach Rosenheim gereist wären. Davor gabs recht hektische Umbuchungen, weil einige Hotels mangels Touristen schliessen mussten und die Hoteliers riefen auffallend oft an, um den genauen Zeitpunkt der Ankunft zu erfragen, weil sie nicht den ganzen Tag auf ihre wenigen Gäste warten wollten. Vielleicht wollten sie auch nur sicher gehen, dass wir kommen.

Ausserdem mussten wir einen Tag früher fliegen als geplant, was aber kein Nachteil war. Statt gleich nach Granada zu fahren, kamen wir abends in Málaga an, holten den Leihwagen ab und konnten noch ein paar Stunden die Stadt ansehen.

 
Uebersichtskarte Malaga Malaga  

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf nach Granada, kamen Mittags an und spazierten ein bisschen durch die Innenstadt um die Kathedrale und durch den Albaicín, das arabische Viertel. Dort wirkt wirklich alles sehr maghrebinisch, der Kaffee ist gewürzt, die Limonade mit Pfefferminze ist lecker und das Bier ohne Alkohol. Die Damen sind verschleiert, aber das fällt nicht weiter auf, weil hier jeder eine Maske vor Mund und Nase trägt. Jedenfalls dort, wo er anderen Menschen begegnen könnte, sogar Jogger traben ohne Schutz, setzen ihn an der Ampel aber auf. Der Albaicín liegt am Hang eines Hügels, den man raufsteigen muss, um den Ausblick zu haben, den die Besitzer von Dachterrassen dort alle haben. Auf dem Hügel gegenüber steht nämlich das Highlight dieser Stadt, die Alhambra und wenn man eine halbe Stunde den Hügel hochgeht, kann man vom Vorplatz einer Kirche diesen Ausblick geniessen.

 
Unterwegs nach Granada Unterwegs nach Granada Unterwegs nach Granada Unterwegs nach Granada Granada, ein Stück Kathedrale und Königliche Kapelle
 
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Granada, Generalife und Alhambra Granada, Generalife Granada  

Zur Alhambra gings am nächsten Morgen. Das ist eine ziemlich grosse langgestreckte Burg mit genug Platz für ein Kloster, einen Garten, eine Kirche (früher Moschee), Gärten, einen alten arabischen Palast der Nasriden-Emire bis 1492 und einen deutlich weniger filigranen Palast ihrer christlichen Nachfolger. Wir liefen erst ein bisschen durch den neueren Palast von Karl V., weil unser schon vor Monaten gebuchtes Ticket für den Palast der Nasriden erst ab 11 Uhr galt, stellten uns dann pünktlich in die recht kurze Schlange an dessen Eingang und schlenderten von christlicher Renaissance zu maurischen Säulen, Brunnen und Gärten. Von den Gärten gings dann in den wehrhaftesten Teil der Burg, die Alcazaba, deren Mauern und Türme die Stadt überragen. Neben der Alhambra liegt der Generalife, ein vergleichsweise schlichtes Bauwerk, das als sommerliche Residenz diente und eher durch die Gartenanlage und die Wasserspiele als durch Baukunst beeindruckt. Wir liessen uns beeindrucken und nahmen dann einen Fussweg zwischen Alhambra und Generalife, der in einer halben Stunde zurück in die Stadt führte.

 
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Granada, Alhambra, Alcazaba Granada, Garten vor Generalife Granada, Generalife Granada, Alhambra Granada, Garten vor Generalife
 
Granada, Garten vor Generalife Granada, Alhambra  

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag das Museum auf dem Sacromonte besichtigen, das ein paar Schauhöhlen zeigt, die von den Leuten dort als Wohnung in die Felsen gegraben wurden. Sacromonte lag vor der Stadtmauer und dort siedelten sich die Roma an, die nicht in der Stadt leben wollten oder durften. Dass das Museum geschlossen war, sahen wir erst vor dem Eingang. Das machte aber nichts, viele der Höhlenwohnungen sind noch in Betrieb, man erkennt, dass die Häuser dort oft nur Fassaden vor den unterirdischen Räumen sind. Nur rein kommt man halt nicht. Der Weg zurück auf halber Höhe des Hügels bot auch noch sehr schöne Aussichten auf die Alhambra.

 
Granada, Alhambra Granada, Sacromonte Granada  

Am nächsten Tag gings nach Úbeda. Nach der eher bergigen Landschaft an der Küste bis Granada führte der Weg jetzt durch eine leicht hügelige Landschaft, die durch Felder und Olivenanbau eigenartig strukturiert ist, alle Hügel sind gestreift, weil die Olivenbäume in Reihen stehen. Úbeda hat eine relativ grosse Altstadt aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. In einem dieser Paläste (oder eher Haus einer wohlhabenden Familie) war unser Hotel, dessen einzige Gäste wir waren. Der Nachmittag reichte dann, die Altstadt zu umrunden und auch deren Mitte zu besichtigen. Mehr hätten wir auch nicht geschafft, die Temperatur war so hoch wie man sie für August für Südspanien erwartet.

 
Unterwegs nach Ubeda Unterwegs nach Ubeda Unterwegs nach Ubeda Ubeda Ubeda
 
Ubeda,San Pablo Ubeda,San Pablo Ubeda Ubeda Ubeda
 
Ubeda Ubeda Ubeda  

Von Úbeda gings dann weiter nach Cordoba in ein Hotel direkt an der Mauer der Moschee mit recht abenteuerlicher Tiefgarage. Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Spaziergang rund um das Feuchtgebiet, das man hier am Ufer des Guadalquivir stehen lässt und durch die äusseren Bezirke der Altstadt. Wir hielten uns dabei an die Reste der Stadtmauer um nicht zu weit raus zu laufen, legten aber auch so recht grosse Strecken zurück. Cordoba besteht nämlich aus einem verwirrenden Netz aus kleinen verwinkelten Straßen, wo man ständig abbiegen und danach den Stadtplan zu Rate ziehen muss. Glücklicherweise sind die Straßen immer recht gut beschildert.

 
Cordoba, Römische Brücke Cordoba, Mühle im Fluss Cordoba Cordoba, Römische Brücke und Moschee/Kathedrale Cordoba
 
Cordoba Cordoba Cordoba Mühle im Fluss  

Am nächsten Tag konnten wir die Hauptattraktion der Stadt ansehen, die Moschee. Die war ursprünglich eine riesige Halle, wo man inmitten von hunderten Säulen in jeder Richtung einen Wald aus Säulen und rot-weiss gestreiften Bögen sah. Später wurden in der Mitte ein paar Reihen rausgebrochen um eine Kathedrale reinzusetzen. Die steht jetzt mit dem Boden in dieser Halle, hat keine durchgehenden Aussenmauern, und nutzt einen Teil der alten Bögen als Seitenschiffe. Das Hauptschiff überragt die alte Moschee, so dass die Mitte der ursprünglichen dunklen Säulenhalle einen hellen Raum bildet, verstärkt durch das viele Gold in der Kirche. Entlang der Aussenmauer der Moschee sind kleine Kapellen entstanden, die Teils der Anbetung besonderer Heiliger dienen, teils als Familiengrab örtlich bedeutender Sippen. Nach der Moschee liefen wir noch durch den inneren Teil der Altstadt, verzichteten auf einen Besuch der Burg, weil sonntags macht die früh zu und versuchten weiterhin einen Eiscafe zu bekommen. Die gibt es hier nämlich nicht, oder wir haben noch nicht rausgefunden, was man bestellen muss. Hatte auch dieses Mal nicht geklappt, aber Waffeln mit Eis und Sahne waren auch lecker.

 
Cordoba Cordoba, Moschee/Kathedrale Cordoba, Moschee/Kathedrale Cordoba, Moschee/Kathedrale Cordoba, Moschee/Kathedrale
 
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Cordoba, Moschee/Kathedrale, Orangenhof Cordoba, Moschee/Kathedrale, Seitentüre Cordoba Cordoba, Alcazar Cordoba  

Wir verliessen Cordoba Richtung Westen und machten beim Castillo de Almodóvar del Río halt. Hier hat der Besitzer eine mittelalterlichen Burg aus maurischer und christlicher Zeit liebevoll rekonstruieren lassen. Vermutlich gelang das sogar halbwegs authentisch, nur das neugotische Wohnhaus der Familie des Grafen ist nicht so original, was aber kaum auffällt. Der Besucher kann dort über die Mauern spazieren, muss ungefähr fünf bis sieben Türme besteigen und kann die Aussicht über die Ebene des Guadalquivir geniessen. Hier wachsen die Orangen, die bei uns zuhause verkauft werden. Freunde von Game of Thrones könnten die Burg als "Rosengarten" kennen und der Übersichtsplan, den man an der Kasse bekommt enthält zwei Kategorien von sehenswerten Punkten: In rot die echten ("der Ehrenturm") und in blau die Szenen aus der Serie, die an diesen Stellen gedreht wurden ("Lady Olenna Tyrell sichtet die eindringenden Truppen von Jaime Lannister").

 
Castillo de Almodovar Castillo de Almodovar Castillo de Almodovar Castillo de Almodovar Castillo de Almodovar
 
Castillo de Almodovar Castillo de Almodovar  

Weiter gings dann in den Nationalpark Sierra Norte de Sevilla und dort zum Cerro del Hierro. Das ist ein Berg, der aus ausgewaschenen Kalktürmchen besteht. Diese Türmchen enthalten auch Eisen, weswegen dort schon immer übertage Eisenerz abgebaut wurde, was die Landschaft noch zerklüfteter machte und ein paar Stollen und Durchbrüche entstehen liess. Der im Reiseführer beschriebene Rundweg war nicht sehr gut ausgeschildert, weswegen wir erst auf einer breiten staubigen Straße halb um den Berg stapften und uns ein bisschen verarscht vorkamen. Erst als wir eine Abkürzung auf der Karte fanden kamen wir wohl auf den richtigen Rundweg und fanden uns in einer wirklich sehenswerten Landschaft wieder. Kegelförmige Steine bilden steile Mauern zwischen Schluchten, die halb natürlich entstanden, halb gegraben und gesprengt aussahen. Alte Stollen bilden kurze Tunnel durch diese Mauer. Dass der Weg selten begangen wird, sahen wir an unseren zerkratzen Beinen, hier war alles sehr zugewachsen. Dafür hat der Besucher aber auch das Gefühl, Entdecker zu sein. Selbst die erste verfallene Parkbank auf dem besser ausgebauten Teil des Weges und die Ruinen des Bergbaus wurden von uns ganz neu entdeckt. Danach fuhren wir nach Sevilla, sahen uns aber nichts mehr an als die Speisekarte einiger Restaurants und fielen bald ins Bett.

 
Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro
 
Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro
 
Cerro del Hierro Cerro del Hierro Cerro del Hierro  

Wir zogen morgens los, um die Kathedrale von Sevilla zu besichtigen. Vor Ort wiesen uns dann Zettel darauf hin, dass das nur nach vorheriger Online-Anmeldung geht. Glaubten wir zumindest, die Leute hier rechneten nur mit einheimischen Touristen und verzichteten auf fremdsprachige Hinweise. Ein Besuch der Touristeninformation brachte dann Klarheit: Um den Andrang der wenigen Touristen zu entzerren und um Massen vor den Ticketschaltern zu vermeiden, konnte man Karten für Kathedrale und Burg nur online kaufen und musste dann auch sagen, um welche Uhrzeit man kommen möchte. Bleiben darf man dann so lange wie man will. Wir kauften also die Tickets am Handy, gaben noch schnell unsere Postkarten beim Postamt ab und standen pünktlich vor dem Löwentor des Real Alcázar, der Burg und hiesigen Residenz des Königs. Der Alcázar stammt aus arabischer Zeit, wurde dann im 14. Jahrhundert von christlichen Königen und muslimischen Architekten weiter gebaut und auch später noch erweitert. So ergab sich ein Gemisch aus Baustilen und man wandert durch Hallen, Höfe und Gärten aus allen Perioden.

 
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Nach dem Alcázar und ein paar Tapas standen wir vor der Kathedrale und bestiegen gleich nach Einlass den Glockenturm um den Blick über die Stadt und die Dachlandschaft dieser gotischen Kirche schweifen zu lassen. Danach spazierten wir durch die riesige Kirche mit ein paar Nebengebäuden, allein die Sakristei ist grösser als die meisten Dorfkirchen. Uns kam die Kirche auch ein wenig unübersichtlich vor: In der Mitte steht ein Chor mit Orgeln (mehrere) und Altären. An den Aussenwänden gibt es weitere Kapellen und Grabnischen, und irgendwo stand dann noch ein grosser Alter, der der wichtigste zu sein schien, jedenfalls war der Grossteil der Bestuhlung auf ihn ausgerichtet. Wenn man dann hinter diesem Alter durchschlüpfte, kommt man durch den Haupteingang der Kirche raus und steht im Orangengarten, der so etwas wie der Vorplatz der Kirche ist. Da die beiden Besichtigungen doch ein paar Stunden gedauert haben, liefen wir danach nur noch ein bisschen rum, kauften Mitbringsel und besichtigten den Fluß.

 
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Sevilla, Kathedrale Sevilla, Kathedrale Sevilla, Torre del Oro Sevilla, Schiff auf dem Guadalquivir  

Der nächste Tag war weniger dicht mit Sehenswürdigkeiten belegt. Wir liefen zur Stierkampfarena. Dort wurden gerade keine Stiere bekämpft, aber man konnte den Bau besichtigen, jedenfalls eine kleine Galerie mit alten Plakaten, Bildern berühmter Toreros und Toros sowie Ausrüstungsgegenstände. In die Arena durften wir auch mal. Danach gingen wir zum Gelände der iberoamerikanischen Ausstellung von 1929. Dort hat man in jahrelanger Arbeit Häuser, Plätze und einen Park für diese Ausstellung gebaut. Die Gebäude sind heute Museen und die vermutlich schönste Einwanderungsbehörde der Welt. Der Park ist angenehm kühl und bietet Brunnen, Teiche, Enten und einen winzigen Berg mit elektrischem Wasserfall. Nach dem Park gings durch das Stadtviertel Santa Cruz zurück zum Essen. Kulinarisch war die Reise bisher auch recht schön. Wir verstanden zwar oft die Speisekarte nicht, aber egal was wir bestellten, es war lecker und irgendwann lernen wir vielleicht auch, dass "carrillada" Schweinebacken sind. Zum Essen gehen ist fast immer ein Handy notwendig, weil fast alle Restaurants und Bars die Speisekarte abgeschafft haben oder sie nur im Notfall rausrücken. Stattdessen kleben auf den Tischen QR-Codes, die man abfotografiert und damit zur URL der Karte kommt. Manche Gastronomen legen nach dem Hauptgang nochmal Kärtchen auf den Tische, deren Codes nur zur URL der Dessertkarte führt.

 
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Sevilla, Gelände der iberoamerikanischen Ausstellung Sevilla, Gelände der iberoamerikanischen Ausstellung Sevilla, Gelände der iberoamerikanischen Ausstellung Sevilla Sevilla
 
Sevilla Sevilla Sevilla  

Eigentlich hatten wir genug Städte gesehen, aber weils kein grosser Umweg war, fuhren wir noch kurz nach Cádiz, um auch mal den Atlantik und dessen Ufer anzusehen. Wir spazierten ein bisschen durch die Altstadt, schauten den Strand und ein paar Festungen an, bevor wir uns auf den Weg nach Arcos de la Frontera machten.

 
Cadiz Cadiz Cadiz Cadiz Cadiz  

Dort standen wir dann ratlos vor unserem Hotel mit dem Zettel "geschlossen seit März" an der Türe. Das war ein bisschen ärgerlich, weil viele der anderen vorher gebuchten Hotels waren auch von Corona betroffen und mussten schliessen oder umplanen. Die haben allerdings vorher geschrieben, vielleicht sogar ein anderes Hotel empfohlen und wir konnten uns darauf einstellen. Abgesehen von verwirrenden engen Gassen mit dem Auto und Lauferei zu Fuß war aber die Zimmersuche kein grosses Problem und schöner war das Hotel sicher auch: Arcos liegt an einer vielleicht 100m hohen Klippe, die Burg und zwei der Kirchen stehen ganz oben am Rand. Dazwischen unser Hotelzimmer, auch ganz am Rand und mit Terrassenblick über die Kirchen und die Hügellandschaft südlich des Ortes.

Tags darauf besichtigten wir den Ort, erst entlang des "Pfads der Sehenswürdigkeiten", der alle wichtigen Bauwerke verbindet. Die meisten davon waren schnell besichtigt, weil da halt nur ein Fassade oder ein Tor mit einer Tafel mit Erklärungen war, in einem Haus war eine Kunstausstellung mit interessanten Gemälden, wo wir leider vergassen, uns die Künstler zu merken. Das beeindruckendste Haus war eine Krippe auf ein paar Quadratmeter, deren Figuren geschnitzt waren und die Landschaft in grosse Tiefe modelliert war. Durch raffinierte Spiegeltricks hatte man dort den Eindruck auf weit entfernte Städte zu blicken. Tag/Nachtsteuerung hatte die Krippe auch, mit echt aussehendem Mond und Sternen. Ausserdem gabs auf dem Weg ein paar offizielle und inoffizielle Aussichtspunkte, die wir alle besuchten, bevor wir uns an die Umrundung der Stadt machten. Die führt natürlich unten rum, am Fluss. Der Abstieg ist einfach, danach geht der Weg durch Flussauen entlang des Guadalete. Wirklich mühsam ist dann aber der Aufstieg zurück zum höchsten Punkt der Stadt. Neben der Aussicht beeindruckt die geschickte Nutzung des Baugrundes durch einige Hausbesitzer am Rand der Klippe: Es gibt hier Terrassen, die im dritten Untergeschoss liegen.

 
Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera
 
Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera
 
Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera Arcos de la Frontera  

Am nächsten Tag standen einige "weisse Dörfer" auf dem Programm. Das ist eine Reihe von Ortschaften, die eben weiss sind, weil die Leute ihre Aussenmauern gerne kalken und diese Farbwahl konsequent beibehalten. In der Mitte steht dann meistens eine Kirche in grau und am Rand gelegentlich eine kleine Burg in rötlichem grau. Reinfahren muss man dort nicht immer, die Dörfer sehen vor allem von aussen gut aus. So gings erst nach Espera, dann nach Bornos, Villamartín, El Bosque, Ubrique, Benaocaz, Villaluenga, Grazalema und schliesslich nach Ronda. Die Landschaft wurde nach El Bosque richtig gebirgig mit Passstrassen, die 1000m rauf und drüben wieder runter führen. Davor besichtigten wir noch den Dolmen von Alberite, mit 600 Jahren einer der ältesten Dolmen auf der iberischen Halbinsel. Der ist recht einfach anzusehen, weil ihm das Dach fehlt. Dessen Steine sind irgendwie verschwunden, dafür hat man ein modernes rundum offenes Dach drübergespannt. Viel Aufhebens machen die Leute hier nicht um ihre archäologische Fundstätte: Es gibt Wegweiser, auch ein Tor zu der Fundstätte und eine Allee dorthin, das ist allerdings alles verfallen und verschlossen. Zum Glück war das Getreidefeld aussenrum frisch abgeerntet und so konnten wir ruhigen Gewissens neben einem noch nicht abgeernteten Baumwollfeld parken, ein Loch im Zaun nutzen und über das Feld zum Dolmen stapfen. In Grazalema kehrten wir kurz ein. Glücklicherweise war dort eine Tafel, die uns auf das Vorkommen der Gänsegeier in dieser Gegend aufmerksam machte. Deshalb blickten wir öfter nach oben und sahen auch schnell ein paar der Riesenvögel über uns kreisen. Später gings über einen Pass mit Aussicht, den Puerto de las Palomas, wo wir noch einige Zeit mit Geierbeobachtung verbrachten. So richtig nah kamen die Vögel nie, wir hatten auch kein Futter zum Anlocken dabei, aber dank unserer Ferngläser waren sie gut zu sehen.

 
Espera Dolmen von Alberite Dolmen von Alberite Dolmen von Alberite Sierra de Grazalema
 
Ubrique Ubrique Benaocaz Sierra de Grazalema Sierra de Grazalema
 
Grazalema bei Grazalema Puerto de las Palomas, Gänsegeier Puerto de las Palomas Puerto de las Palomas
 
Puerto de las Palomas, Gänsegeier Sierra de Grazalema Sierra de Grazalema Sierra de Grazalema Ronda  

Wir kamen recht spät in Ronda an und verzichteten auf die Siesta, um noch alle Brücken von allen Seiten und von oben und unten zu sehen. Ronda besteht aus einem ganz alten Stadtkern und einer "neuen" Stadt, die erst 500 Jahre alt ist. Dazwischen liegt eine 100m tiefe Schlucht, die im 18. Jahrhundert von einer malerischen Brücke überbrückt wurde. Da liefen wir drüber, dann bis ganz runter, wieder rauf, besichtigten die Altstadt, die Überreste des Hamam am Fusse des Berges und dann wieder nach oben. Unterwegs musste Maxi erfahren, dass die Dornen hier nicht nur die Waden zerkratzen, sondern die besonders gemeinen sich auch durch die Sohle und tief in die Ferse bohren. Zum Glück war der Dorn kein richtig gemeiner, er hatte weder Widerhaken, noch brach er ab.

 
Ronda Ronda Ronda Ronda Ronda
 
Ronda Ronda Ronda Ronda Ronda, altes Hamam
 
Ronda Ronda Ronda Ronda Ronda
 
Ronda Ronda, Arena Ronda Ronda  

Morgens liefen wir noch ein bisschen durch Ronda, fuhren dann nach Antequera. Unser Hotel lag dort ein bisschen abseits in einem Gewerbegebiet, darum mussten wir recht weit durch eine eher unattraktive Gegend laufen, um noch zwei Dolmen zu besuchen. Den von Menga und den von Vierra, die direkt nebeneinander liegen. Die waren schön ausgeschildert, es gab einen Informationspunkt (Eintritt frei, aber wie überall wurde erfasst, aus welchem Land die Besucher kommen) und vor dem engen Dolmen von Vierra regelte sogar eine Aufsicht den Verkehr, so dass immer nur zwei Personen drin waren. Danach gings hoch zur Burg und der benachbarten Kirche. Beides war geschlossen, aber eigentlich war uns das Getränk vor der Kirche auch lieber als eine weitere Alcazaba. Abends planschten wir noch im Pool (der Vorteil, wenn man im Hotel am Ortsrand absteigt) und nutzten den Whirlpool und die Massagedüsen.

 
Unterwegs nach Antequera Unterwegs nach Antequera Antequera, Dolmen von Menga und Vierra Antequera, Dolmen von Vierra Antequera, Dolmen von Vierra
 
Antequera, Dolmen von Vierra Antequera, Dolmen von Menga Antequera, Dolmen von Menga Antequera, Dolmen von Menga Antequera, Dolmen von Menga
 
Antequera Antequera Antequera Antequera Antequera, Kirche
 
Antequera  

Um wieder durch Landschaften statt durch Städte zu wandern, fuhren wir in den Nationalpark El Torcal de Antequera. Das ist ein kleines Gebirge südlich der Stadt, ein paar hundert Meter hoch. Die Oberfläche des Gebirges ist Karst mit lauter bizarren Felstürmchen, die aussehen, als hätten Riesen Steinmandl gebaut. Durch die Täler zwischen den Türmchen führen Wanderwege, wo man neben der Landschaft auch die heimische Tier- und Pflanzenwelt erkunden kann. Letztere hat natürlich Dornen, am Weg stehen wenige Bäume, dafür viel Buschwerk und auffällig viele Brombeeren. Die Tierwelt besteht aus Iberischen Steinböcken, die genau wissen, wie sie für Fotos posieren müssen und uns auf fünf Meter rankommen liessen, ausserdem gabs riesige Perleidechsen ohne Sinn für Fotografie und jede Menge Vögel. Natürlich auch hier grosse Geier, die in Gruppen bis zu zehn Stück über uns kreisten.

 
bei Antequera El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal
 
El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal
 
El Torcal, Iberische Steinböcke El Torcal, Iberischer Steinbock El Torcal, Iberische Steinböcke El Torcal El Torcal
 
El Torcal El Torcal El Torcal, Iberischer Steinbock El Torcal, Iberischer Steinbock El Torcal
 
El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal
 
El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal El Torcal
 
Aussicht von El Torcal Antequera  

Die nächsten vier Tage verbrachten wir in einem Strandhotel bei Nerja, das wir nur zweimal kurz zum Einkaufen verliessen. Das Mittelmeer war angenehm temperiert, die Liegen bequem und wir verbrachten die Zeit unter Palmen voller kreischender Mönchssittiche.

 
Nerja, Hotelstrand  
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